Alle Beiträge von wurster@blog

Rüdesheim

Rüdesheim
Ein breiter Fluss mit Flussschiffen darauf, schroffe Felsenhänge, stufige Weinberge, Natursteinkirchen, Mäusetürme, braune Burgruinen, beflaggte weiße Schlösser mit schlanken Türmen, uniformierte Bahnwärter mit roten Kellen, spießige 70-er-Jahre Häuser, alte Handelsvillen mit grünen Fensterläden, Fachwerkhäuser mit schwarzen Schindeldächern, kurvige Schienenstränge und Straßen, auf denen orange Betonmischfahrzeuge brummen…auf der Rhein-Zugstrecke fühle ich mich immer wie ein Plastikfigürchen in einer Modelleisenbahn.

Naturgesetz

Naturgesetz

In gewissen Abständen gibt es ein großes Bambussterben, alle Bambusse gehen zur gleichen Zeit ein, denn sie stammen aus der gleichen Züchtung. Bei Kugelschreibern ist es ähnlich, wenn einer leer ist, sind spätestens am nächsten Tag auch alle anderen leer.

titanic  dez 20

Duden

Duden, dudiduu, didudiduudi,
der Duden gendert bald,
didudi Duden,
von Storch, sie wettert schon,
und einige Wut-Knacker auuuuch,
Duden, dudiduu, didudidudu, Dudendudiduudidudiduudi….

Melodie: Strangers in the night

Fashion-Weekend

Fashion-weekend

Die Läden sind geschlossen – kein Grund zu verzweifeln, denn nun bekommen endlich die Fehl-und Frustkäufe der letzten Jahrzehnte ihren großen Auftritt! Als Stilberaterin möchte ich Sie dazu inspirieren, sich in die letzten Ecken Ihres Schranks zu wühlen, denn Trumpf in diesen Tagen ist: vorhandenen Fummel immer wieder anders zu kombinieren. Für die Spritztour mit meiner Isabella habe ich mich für diesen edlen Blazer von “Schmack” entschieden. Ich kombiniere ihn mit fließenden Stoffen und verspielten Blümchenmustern. Armband: Sacro-Domshop Aachen,  Hut: Seppel,  Handtasche: Louis Koks
Lifestylefotograf Joao Hofmann hat alles für Sie festgehalten. Viel Freude beim Nachstylen!
Ihre Coco Flanell

Vergesst Amazon

Memoiren einer Kundin

Früher habe ich Kaufhäuser abgelehnt, erst jetzt, wo sie vom Konkurs bedroht sind, erkenne ich ihren ganzen Wert. Ja, es geht auch um schnöden Konsum, aber nur am Rande, in Wirklichkeit ist es ein jeden Tag neu improvisiertes Realspektakel. Unterschiedlichste Menschen kommen durch luftdurchblasene Eingangsportale hinein in den Einkaufspalast. Schon berauscht, fahren sie die Rolltreppen rauf und runter, suchen nach Schnäppchen, durchwühlen Kleiderständer, lassen sich beraten, reklamieren und tauschen um. Personal steht in abgelegenen Ecken und lästert über die Kollegen. Nirgends gibt es so kompetente Fachverkäuferinnen, wie in den Warenäusern. Niemand kann einem nebenbei so viel über die Qualität von Strümpfen beibringen, nirgends wird man so dezent höflich dabei begleitet, einen Bademantel auszusuchen. Die mächtigsten und autoritärsten Verkäuferinnen sind Vergesst Amazon weiterlesen

Linie 4

Straßenbahnlinie 4 habe ich zu meiner Lieblingsstrecke auserkoren.
Am Knotenpunkt Domsheide wartet man nie lange auf die Vierer. Nach dem Einsteigen geht es gleich über die Weser, der Blick schweift weit dahin, dann biegt der Zug ein in den kleinbürgerlichen Buntentorsteinweg: würdige alte Häuser, winzige mit Klinkerpappe verkleidete Zigarrenmacherhäuschen, in Lücken gebaute schnöde Etagenklötze, altmodische Videotheken, türkische Gemüseläden und Kioske, olle Kaschemmen. Es geht schnell voran und schon – ist man in Kattenturm, dort stehen eigenartige Haltestellenhäuschen, die ein rostfarbenes Geästel überzieht, dieses rötliche Geästel setzt sich nach hinten in den wintersonnig beleuchteten großen Stadtbäumen fort. Nun kommt der beste Teil der Fahrt, ich bin mir sicher, daß es morgens bei den Fahrern und Fahrerinnen Streit gibt um die Linie 4, denn die Fahrt auf dem weiten Streckenabschnitt nach Obervieland gleicht dem Start einer Concorde auf Schienen. Zoosch, es wird maximal beschleunigt, die Bahn rattert nach oben, über einen Wassergraben und den Autobahnzubringer, und dann mit Schwung nach unten – ach, schon da?
Wenn man Glück hat, steht bei der nächtlichen Rückfahrt eine religiöse Fee im fast leeren Waggon, langes glattes Haar, langer langweiliger Rock, verloren blickt sie umher, kommt heran und fragt sehr freundlich und in gewählten Sätzen, ob sie ihre Botschaft übermitteln darf. Wenn man ihr zuhören will, erklärt sie in leisem Ton, auf etwas abwesende Art ihre Welt und bietet am Ende die Auswahl an zwischen einem gemeinsamen Gebet, einem Gebet von ihr für einen selbst oder keinem Gebet.

Einzeltäter

Gestern erhielt ich den Silbernen Bleistift beim Deutschen Karikaturenpreis für die “Einzeltäter” Juhe!

Die gesamte digitale Preisverleihung kann man hier sehen.  Ausschnitt aus der von Dietmar Wischmeyer gehaltenen Laudatio zum Cartoon:
“…Mir gefällt an diesem Bild, das es viel mehr ist als das was es im ersten Augenblick zu sein scheint: Es erzählt uns eben nicht nur das was wir eh schon wußten mit dem Zeigefinger der Satire noch einmal: daß die rechte Gewalt in Deutschland von der Politik unterschätzt wird, wenn man immer von Einzeltätern spricht, sondern das Bild erzählt uns, daß diese Sicht der Dinge schon die Brille ist, auf die wir auf die Welt schauen…”

 

Ein Preis beim Bissfest

Bissfest Am Donnerstag wurde ein neues Satirefest in der Trafohalle in Baden, Aargau aus der Taufe gehoben und ich bin sehr stolz, denn ich habe den 3. Preis erhalten! Den 2. bekam Tom Künzli (endlich wirke ich auch mal klein und zerbrechlich auf einem Foto, neben ihm) und den 1. Oliver Ottitsch, der eine Videobotschaft auf die Leinwand schickte. Vielen Dank an die Organisatoren Silvan Wegmann, Marco Ratschiller, Nic Niedermann und Diego Egloff! Bühnenfoto: Christine Zenz

kassenschlager


Im großen Kinosaal meiner Kleinstadt sollte ein Kassenschlager laufen. An den Film erinnere ich mich nicht mehr, aber an die Platzanweiserin. Die resolute Frau war stinksauer, weil sie wusste, dass irgendwo noch zwei freie Plätze sein mussten. Sie konte sie aber nicht ausmachen und das johlende Publikum wollte oder konnte sie nicht preisgeben. Also stellte sich die Wütende mit verschränkten Armen vor die Leinwand und verkündete, sie könne ja warten und der Film würde erst beginnen, wenn sie es sagte…

Beauty-Tipp

Beauty-Tipp
Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: „Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.“ Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt und als die Kosmetikerin erläuterte „ Horst Tappert, sie wissen schon, der Derrick, er schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera“ – entschloss ich mich, fürs Erste auf diesen Stift zu verzichten.

titanic  aug 20

Ladensterben

Diese Idee zum Thema “Ladensterben” hat es nicht in die Titanic geschafft. Vielleicht zu nah an der Realität. Eine Grabbeltisch-Idee fiel auch durch, eine Indianermokassinzeichnung war zu kompliziert. Welcher Gag durchkam, ist jetzt im neuen Heft zu sehen.