Alle Beiträge von wurster@blog

Fashion-Weekend

Fashion-weekend

Die Läden sind geschlossen – kein Grund zu verzweifeln, denn nun bekommen endlich die Fehl-und Frustkäufe der letzten Jahrzehnte ihren großen Auftritt! Als Stilberaterin möchte ich Sie dazu inspirieren, sich in die letzten Ecken Ihres Schranks zu wühlen, denn Trumpf in diesen Tagen ist: vorhandenen Fummel immer wieder anders zu kombinieren. Für die Spritztour mit meiner Isabella habe ich mich für diesen edlen Blazer von “Schmack” entschieden. Ich kombiniere ihn mit fließenden Stoffen und verspielten Blümchenmustern. Armband: Sacro-Domshop Aachen,  Hut: Seppel,  Handtasche: Louis Koks
Lifestylefotograf Joao Hofmann hat alles für Sie festgehalten. Viel Freude beim Nachstylen!
Ihre Coco Flanell

Vergesst Amazon

Memoiren einer Kundin

Früher habe ich Kaufhäuser abgelehnt, erst jetzt, wo sie vom Konkurs bedroht sind, erkenne ich ihren ganzen Wert. Ja, es geht auch um schnöden Konsum, aber nur am Rande, in Wirklichkeit ist es ein jeden Tag neu improvisiertes Realspektakel. Unterschiedlichste Menschen kommen durch luftdurchblasene Eingangsportale hinein in den Einkaufspalast. Schon berauscht, fahren sie die Rolltreppen rauf und runter, suchen nach Schnäppchen, durchwühlen Kleiderständer, lassen sich beraten, reklamieren und tauschen um. Personal steht in abgelegenen Ecken und lästert über die Kollegen. Nirgends gibt es so kompetente Fachverkäuferinnen, wie in den Warenäusern. Niemand kann einem nebenbei so viel über die Qualität von Strümpfen beibringen, nirgends wird man so dezent höflich dabei begleitet, einen Bademantel auszusuchen. Die mächtigsten und autoritärsten Verkäuferinnen sind Vergesst Amazon weiterlesen

Linie 4

Straßenbahnlinie 4 habe ich zu meiner Lieblingsstrecke auserkoren.
Am Knotenpunkt Domsheide wartet man nie lange auf die Vierer. Nach dem Einsteigen geht es gleich über die Weser, der Blick schweift weit dahin, dann biegt der Zug ein in den kleinbürgerlichen Buntentorsteinweg: würdige alte Häuser, winzige mit Klinkerpappe verkleidete Zigarrenmacherhäuschen, in Lücken gebaute schnöde Etagenklötze, altmodische Videotheken, türkische Gemüseläden und Kioske, olle Kaschemmen. Es geht schnell voran und schon – ist man in Kattenturm, dort stehen eigenartige Haltestellenhäuschen, die ein rostfarbenes Geästel überzieht, dieses rötliche Geästel setzt sich nach hinten in den wintersonnig beleuchteten großen Stadtbäumen fort. Nun kommt der beste Teil der Fahrt, ich bin mir sicher, daß es morgens bei den Fahrern und Fahrerinnen Streit gibt um die Linie 4, denn die Fahrt auf dem weiten Streckenabschnitt nach Obervieland gleicht dem Start einer Concorde auf Schienen. Zoosch, es wird maximal beschleunigt, die Bahn rattert nach oben, über einen Wassergraben und den Autobahnzubringer, und dann mit Schwung nach unten – ach, schon da?
Wenn man Glück hat, steht bei der nächtlichen Rückfahrt eine religiöse Fee im fast leeren Waggon, langes glattes Haar, langer langweiliger Rock, verloren blickt sie umher, kommt heran und fragt sehr freundlich und in gewählten Sätzen, ob sie ihre Botschaft übermitteln darf. Wenn man ihr zuhören will, erklärt sie in leisem Ton, auf etwas abwesende Art ihre Welt und bietet am Ende die Auswahl an zwischen einem gemeinsamen Gebet, einem Gebet von ihr für einen selbst oder keinem Gebet.

Einzeltäter

Gestern erhielt ich den Silbernen Bleistift beim Deutschen Karikaturenpreis für die “Einzeltäter” Juhe!

Die gesamte digitale Preisverleihung kann man hier sehen.  Ausschnitt aus der von Dietmar Wischmeyer gehaltenen Laudatio zum Cartoon:
“…Mir gefällt an diesem Bild, das es viel mehr ist als das was es im ersten Augenblick zu sein scheint: Es erzählt uns eben nicht nur das was wir eh schon wußten mit dem Zeigefinger der Satire noch einmal: daß die rechte Gewalt in Deutschland von der Politik unterschätzt wird, wenn man immer von Einzeltätern spricht, sondern das Bild erzählt uns, daß diese Sicht der Dinge schon die Brille ist, auf die wir auf die Welt schauen…”

 

Ein Preis beim Bissfest

Bissfest Am Donnerstag wurde ein neues Satirefest in der Trafohalle in Baden, Aargau aus der Taufe gehoben und ich bin sehr stolz, denn ich habe den 3. Preis erhalten! Den 2. bekam Tom Künzli (endlich wirke ich auch mal klein und zerbrechlich auf einem Foto, neben ihm) und den 1. Oliver Ottitsch, der eine Videobotschaft auf die Leinwand schickte. Vielen Dank an die Organisatoren Silvan Wegmann, Marco Ratschiller, Nic Niedermann und Diego Egloff! Bühnenfoto: Christine Zenz

kassenschlager


Im großen Kinosaal meiner Kleinstadt sollte ein Kassenschlager laufen. An den Film erinnere ich mich nicht mehr, aber an die Platzanweiserin. Die resolute Frau war stinksauer, weil sie wusste, dass irgendwo noch zwei freie Plätze sein mussten. Sie konte sie aber nicht ausmachen und das johlende Publikum wollte oder konnte sie nicht preisgeben. Also stellte sich die Wütende mit verschränkten Armen vor die Leinwand und verkündete, sie könne ja warten und der Film würde erst beginnen, wenn sie es sagte…

Beauty-Tipp

Beauty-Tipp
Jüngst wollte ich Wimperntusche im Schönheitssalon kaufen. Die Visagistin nahm sich viel Zeit, empfahl ein gutes Produkt, auch noch den passenden Lidschatten dazu und fragte dann: „Kennen Sie weißen Kajal? Nein? Probieren Sie den doch mal am unteren Lidrand.“ Ich machte den Versuch, fand das Ergebnis aber irgendwie sonderbar: der Blick wirkte starr, glubschig-wässrig, die Tränensäcke schwollen an, wurden durch breite Schattenringe untermalt und als die Kosmetikerin erläuterte „ Horst Tappert, sie wissen schon, der Derrick, er schwor auf weißen Kajal. Niemals stellte er sich ohne weißen Unterlidstrich vor die Kamera“ – entschloss ich mich, fürs Erste auf diesen Stift zu verzichten.

titanic  aug 20

Ladensterben

Diese Idee zum Thema “Ladensterben” hat es nicht in die Titanic geschafft. Vielleicht zu nah an der Realität. Eine Grabbeltisch-Idee fiel auch durch, eine Indianermokassinzeichnung war zu kompliziert. Welcher Gag durchkam, ist jetzt im neuen Heft zu sehen.

Panda

China
Vor einigen Jahren machte ich eine geführte Reise durch Peking. Verbotene Stadt, die Mauer, Tempel und Hutongs, das war alles sehr eindrücklich, doch die Rückfahrt in dem kleinen Reisebus war mindestens so einprägsam, man sah interessiert oder abwesend aus dem Fenster, einige plauderten mit der Sitznachbarin, kaum jemand nahm Notiz von unserem Reiseleiter, der auf dem Monitor die chinesische Version seines Lieblingsfilms Kung Fu Panda vorführte, simultan übersetzend, glücklich versunken, gestikulierend, in verschiedenen Stimmlagen und auch mit Gesang.

Istanbul Konvention

10. 8. 2020  Während Frauen seit Wochen in der Türkei für ihre Rechte auf die Straße gehen und eine bessere Umsetzung der Gewaltschutz-Konvention des Europarates fordern, diskutiert die Regierungspartei AKP darüber, aus dem völkerrechtlich bindenden Vertrag auszutreten, der den Staat zum Schutz der Frauenrechte verpflichtet. Es geht um die Istanbul-Konvention des Europarats, die ausgerechnet den Namen der türkischen Stadt trägt, in der sie von den ersten Mitgliedern unterzeichnet wurde.

Notfalltropfen

Tip für Wien-Reisende: Diesen Cartoon gibt’s bis 27. Februar 2021 in der Ausstellung “GOLDENE CARTOONS – Die besten Bilder aus 10 Jahren” in der Galerie der Komischen Künste im MuseumsQuartier zu sehen.

Honig

Revolte
Schon seit Jahrtausenden lassen sich die Bienen vom Menschen nach Strich und Faden ausbeuten und hinters Licht führen. Wilde Instinkte und Resistenz gegen Milben und Krankheiten wurden zugunsten von Zahmheit und ungesundem Fleiß weggezüchtet, hochwertiger Honig wurde immer wieder entwendet, im Tausch gegen billige Glukoselösung. Doch damit ist jetzt Schluss. Widerstand regt sich in den Bienenstöcken, zumindest bei meiner Nachbarin, deren Bienen dazu übergegangen sind, den Honig lieber gleich zu verputzen und die Waben mit dem lauen Zuckerwasser vollzupumpen.

titanic  juli 20

Einmachen für die Ewigkeit

Es gibt nur Innen
Großstädte haben keinen Stadtrand. Es kommt immer noch ein Imbiss, noch eine Baustelle, eine Industriehalle, ein Depot. Geografinnen, Immobilienmakler und Raumplaner starteten Expeditionen, um den Rand einer Großstadt zu beweisen – nie sind welche zurückgekommen.

titanic  april 20

Einmachen für die Ewigkeit

Einmachen für die Ewigkeit
Die Bilder der brennenden Wälder vor Tschernobyl lassen mich in vergangene Zeiten reisen, zum Jahr, als der Meiler im April in die Luft flog und die unsichtbare Radioaktivität auch bei uns strahlte. Einige Monate später war der Super-GAU nicht mehr ganz so präsent und die Pflaumen im Garten waren so lecker und üppig. Ich war unschlüssig, ob man sie so einfach verkommen lassen sollte. Also habe ich Kompott gekocht und die beschrifteten Einmachläser in den Vorratskeller gestellt. Die mündigen Familienmitglieder sollten später selbst entscheiden, ob sie den Verzehr riskieren wollten. Auf den Etiketten stand „Zwetschgenkompott 1986 (Tschernobyl)

titanic  juni 20